Zwischen den beiden Handelsstätten Győr und Sopron bestand zu Mitte des 19. Jahrhunderts keine direkte Eisenbahnverbindung. Um diese Lücke im Eisenbahnnetz zu schließen, wurde von zahlreichen Interessenten die Planung und der Bau einer Eisenbahn angestrebt. Der Bahnbau wurde zu jener Zeit noch ausschließlich von privater Hand geführt und vom Staat durch besonders privilegierte Konzessionen abgesichert.

Kaiser Franz Josef als König von Ungarn vergab am 15. Oktober 1872 an Baron Viktor Erlanger die Konzession für den Bau und den Betrieb einer Eisenbahnlinie von Győr über Csorna, Sopron bis nach Neufeld an der Leitha, der damaligen Landesgrenze. Die Konzession für den Betrieb wurde ursprünglich auf 90 Jahre erteilt.

Urkunde

Zum ersten Mal wird die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn am 1. Februar 1875 erwähnt, als sich in Budapest eine Aktiengesellschaft für diese Bahn konstituierte.

Nach schleppendem Baufortschritt und finanziellen Schwierigkeiten, hervorgerufen durch die Finanzkrise im Jahr 1873, wurde die erste 84,558 km lange Teilstrecke von Győr nach Sopron am 2. Jänner 1876 feierlich eröffnet. Die Züge fuhren vorerst zum damaligen Südbahnhof in Sopron, denn der heutige Bahnhof der Raaberbahn ging erst mit Aufnahme des Zugsverkehrs nach Ebenfurth im Jahre 1879 in Betrieb.

Am 31. März 1879 wurden die Bauarbeiten für den zweiten Streckenabschnitt von Sopron nach Neufeld an der Leitha begonnen. Die königliche ungarische Regierung hatte der Gesellschaft technische Erleichterungen zugestanden, um den Weiterbau zu ermöglichen. Die Linienführung hatte auf Grund der vereinfachten Bauweise ihre Nachteile, die leider auch heute noch bestehen. Der Verkehr konnte auf dem 29,9 km langen Teilstück am 28. Oktober 1879 aufgenommen werden.

Bedingt durch die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg – als mit dem Friedensvertrag von St. Germain en Laye deutschsprachige Gebiete von Ungarn Österreich zugesprochen wurden – erstreckt sich das Betriebsgebiet der Raaberbahn seitdem auf die Staatsgebiete zweier Länder: Österreich und Ungarn.

Die Raaberbahn AG konnte ihre Selbständigkeit auch während des Zweiten Weltkriegs weitgehend bewahren – im Gegensatz zu den ÖBB (oder BBÖ – Bundesbahnen Österreichs – wie sie damals hießen), die mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) einverleibt wurden. Doch der Krieg verschonte auch die Raaberbahn nicht. Ab 1944 wurden Bahnanlagen und Fahrzeuge durch Bombenangriffe zerstört. Abziehende Wehrmachtstruppen richteten im Jahr 1945 durch Sprengungen weitere große Schäden an. Am Ostersonntag, dem 1. April 1945 fuhr der letzte Zug auf der Strecke Sopron-Ebenfurth. Erst im Dezember 1945 konnte der Güterverkehr und am 4. März 1946 der Personenverkehr wieder aufgenommen werden.

Der in den folgenden Jahren einen Aufschwung nehmende Verkehr erforderte einen vollständigen Neubau der Gleise. Schienen der Type „Xa“ wurden eingebaut, um den Achsdruck der Strecke auf 18 Tonnen zu erhöhen. In den Jahren zwischen 1975 und 1981 erfolgte eine völlige Durcharbeitung der Strecke mit teilweiser Neutrassierung. Der Achsdruck auf der Strecke wurde auf 22,5 Tonnen weiter erhöht – durch den Einbau von Betonschwellen und Schienen der Type „MÁV 48“. Die 1980er-Jahre brachten weitere Neuerungen mit sich, um den Verkehr schnell und rentabel abwickeln sowie die Betriebssicherheit steigern zu können. So eine für die damalige Zeit bedeutende Investition in die österreichische Infrastruktur der Gesellschaft war die Inbetriebnahme des ersten Gleisbildstellwerkes (VGS 80) im Jahre 1987 am Bahnhof Wulkaprodersdorf.

Ab 1972 wurden die ersten Diesellokomotiven eingesetzt und 1979 vollständig von Dampf- auf Dieselbetrieb umgestellt.

Die Elektrifizierung des ungarischen Streckenabschnittes zwischen Győr und Sopron wurde im Jahre 1985 begonnen. Am 31. Mai 1987 wurde der elektrische Betrieb in Ungarn und am 27. Mai 1988 auf dem Streckenabschnitt zwischen Sopron und Ebenfurth aufgenommen. Somit kommt auch auf der österreichischen Strecke der Raaberbahn das bei den ungarischen Staatsbahnen MÁV übliche Stromsystem von 25 kV 50 Hz Wechselstrom zur Anwendung.

Auf dem Gebiet der Eisenbahninfrastruktur blieb die Zeit bei der Raaberbahn, was die Weiterentwicklung betrifft, nie stehen. Am 14. November 1993 folgte die Inbetriebnahme eines weiteren Gleisbildstellwerkes (KSW 90) am Bahnhof Baumgarten. Die Abschnitte Abzweigung Siegendorf – Bf. Baumgarten und Bf. Baumgarten – Bf. Sopron wurden mit einer Selbstblockanlage ausgerüstet. 1996 wurden Weichenheizungen auf allen Bahnhöfen von Neufeld an der Leitha bis Baumgarten eingebaut und ein Gleisbildstellwerk (KSW 90) am Bahnhof Müllendorf in Betrieb genommen. 1997 folgte die Inbetriebnahme des Zugfunks auf der Strecke. Zwischen 1997 und 2004 wurden die am Ende der 1970er-Jahren eingebauten Schienen und Weichen vom Typ „MÁV 48“ auf „UIC 60“ getauscht. Das Zugbeeinflussungssystem INDUSI 60R hielt bei der Raaberbahn im Jahr 1998 Einzug. Eine Blockstelle zwischen Bf. Wulkaprodersdorf und Bf. Baumgarten wurde zu dieser Zeit ebenfalls errichtet. Am 11. Juli 2001 wurde am Bahnhof Neufeld an der Leitha das vierte Gleisbildstellwerk (KSW 90) des österreichischen Streckenabschnittes in Betrieb genommen. Zugleich erfolgte die Fernsteuerung der gesamten Strecke zwischen Neufeld an der Leitha – Müllendorf – Baumgarten vom Bahnhof Wulkaprodersdorf aus.

Neben der Infrastruktur erfuhr auch der Personenverkehr der Gesellschaft eine ständige Weiterentwicklung:

Am 1. September 1988 erfolgte der Beitritt zum Verkehrsverbund Ost-Region (VOR).
Mit 1. Februar 1992 wurde ein Taktverkehr mit Stundentakt eingeführt.
Ab 1. Juni 1997 verkehrten die ersten Wendezüge der ÖBB auf der Strecke Wien – Ebenfurth – Sopron.
Zwischen April und August 2006 wurde der Einsatz von Elektrotriebwagen der ÖBB-Reihe 4124 „Talent“ vorbereitet und beim folgenden Fahrplanwechsel in Verkehr gesetzt.

Die Triebfahrzeugflotte der Gesellschaft erfuhr einen Neuerungsschub, als am 30. April 2002 die ersten fünf Mehrfrequenz-Triebfahrzeuge der Reihe 1047 („Taurus“) feierlich übernommen wurden. Im Mai 2005 folgte dann die Beschaffung weiterer fünf Fahrzeuge der ÖBB-Reihe 1116 auf Leasing-Basis.

Der Firmensitz der Gesellschaft befindet sich seit Dezember 2004 in Sopron (zuvor Budapest). Als österreichischer Sitz der Gesellschaft gilt die Zweigniederlassung in Wien. Über eine weitere Zweigniederlassung verfügt die Gesellschaft im burgenländischen Wulkaprodersdorf. Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG gilt laut Kundmachung des österreichischen Staates im Jahre 1923 als eine österreichische Privatbahn.