Die ersten Schmalspureisenbahnen Ungarns entstanden in den 1870er-Jahren. Sie waren billig im Bau, für ihre Errichtung existierten keine besonderen technischen Vorschriften. Als erstes erschienen sie in hügeligen Gebieten, statt den normalspurigen Flügelbahnen.

Solche Strecken waren z.B. in Nordungarn die 23 km lange Strecke Garamberzence-Selmec und die Industriebahn Ózd-Nádasd. Beide entstanden 1873. Auf größeren Landgütern, in den Forstwirtschaften und den Industriebetrieben – besonders in den Bergbaugebieten – baute man Schmalspurbahnen mit einer Länge von mehreren Tausend km, auch wenn vielerorts nur Pferde als „Zugkraft” dienten. Den echten Rang als Eisenbahn verlieh ihnen der Dampf-, dann ab den 1930er-Jahren der Dieselbetrieb.

Die Schmalspurbahnen wiesen auf der ganzen Welt unterschiedliche Spurweiten auf. In Ungarn blieben nach der nach 1945 erfolgten Standardisierung die Spurweiten 1000 mm, 760 mm und 600 mm übrig. Unterschiedlichste Schienentypen fanden Verwendung: von den 3,9 kg ganz leichten Schienen bis zu den 23,6 kg/lfm schweren Schienen wurde alles benutzt.

In den 1950er-Jahren wurde die Tendenz, dass die Straße in vielen Gebieten die Rolle der Schmalspurbahnen übernimmt, immer sichtbarer.

Im Herbst 1969 kam es in den Kreisen der Raaberbahn zu der Idee, mit dem schnellen Verschwinden der Schmalspurbahnen gleichzeitig dafür zu sorgen, diese typischen Verkehrsmittel der Nachwelt zu erhalten und möglichst im Betrieb vorzustellen. 

Die Idee kam zur besten Zeit: Man begann gerade mit der Wiederherstellung des Schlosses Széchenyi – und mit der gleichzeitigen Planung eines Museums.

Zwischen der „großen” Eisenbahn und dem Schloss musste eine Transportverbindung geschaffen werden. Es lag daher an der Hand, dass die geplante Museumseisenbahn in Nagycenk gebaut wird, ausgehend von der Haltestelle Fertőboz der Raaberbahn.

Der eigentliche Bau der Strecke begann im Sommer 1970. Die Raaberbahn erbaute die Strecke zum größten Teil mit eigenen Ressourcen, aber auch mithilfe einer tatkräftigen öffentlichen Unterstützung. Der erste Abschnitt entstand an Stelle des Anschlussgleises der ehemaligen Zuckerfabrik Nagycenk, zwischen den Stationen Fertőboz und Barátság (Freundschaft). Die schönste Stelle ist die Brücke über die Ikva mit ihren drei Öffnungen und dem dazu gehörenden Damm.

Zwei Gebäude wurden entlang der Strecke errichtet: in der Haltestelle „Nádtelep” und das winzige Gebäude des Bahnhofes „Barátság”. Um den Fahrbetrieb zu starten, standen zwei Dampflokomotiven zur Verfügung. Diese arbeiteten bis 1970 in einem Kieselerdebergwerk in Nordungarn, dann überließ sie das Ministerium für Bauwesen und Stadtentwicklung ohne Gegenleistung der Museumseisenbahn.

Die Lok Nr. 394-023 wurde ursprünglich 1923 für die Zuckerfabrik Mezőhegyes gebaut. Wir bekamen sie nach geringfügig umgebaut. Die Lokomotive wurde 1999 der „Susanne” (Zsuzsi) Schmalspurbahn nach Debrecen übergeben. Die zweite, ursprünglich eingesetzte Lokomotive Nr. 394-057 versieht ihren Dienst seit 1996 auf der Schmalspurbahn Szilvásvárad (Nordungarn).

Um einen Wagenpark zusammenzustellen, wurden ausrangierte Reisezugwagen einer eingestellten Schmalspurbahn in Kisújszállás ausgesucht. Die ersten drei Wagen wurden in der Werkstätte Debrecen wiederhergestellt. Weitere Wagen kamen ausrangiert aus Békéscsaba, darunter ein Schaffnerwagen und vier Reisezugwagen.

Im Herbst 1972 begann man mit dem Einstellen des Bergbaubetriebes in Balinka. Die dort verwendeten Lokomotiven der Reihe 490 waren die letzten dieser Reihe. Somit war die Entscheidung der Bergbaufirma besonders bedeutsam, die im besten Zustand befindliche Lok, genannt „András”, der Museumseisenbahn zu überlassen.

Der Oberbau der Strecke besteht aus von aufgelassenen Strecken gewonnenen, gebrauchten Schienen mit einem Gewicht von 14 kg/lm, auf Beton- und Holzschwellen. Die zugelassene Achslast beträgt 4 t.

Der zweite Abschnitt wurde 1972 fertiggestellt. Dieser zweigt neben der Haltestelle „Nádtelep” ab und erreicht nach 2400 m, mit einer schönen Streckenführung und zahlreichen Bögen die Haltestelle „Schloss” in Nagycenk. In Fertőboz wurde gleichzeitig mit dem neuen Streckenabschnitt das Heizhaus der Museumseisenbahn fertiggestellt, wo vier Lokomotiven Platz finden.

Die auf der Strecke verwendeten Signale sind mittlerweile vom historischen Wert: Ein Ende des 19. Jahrhunderts gebautes elektrisches Formsignal schützt die Haltestelle „Schloss”, ein Dreiarmformsignal schützt die Abzweigung, aus Richtung des Bahnhofes „Barátság” deckt ein interessantes Zweiarmformsignal die Abzweigung, aus Richtung Fertőboz steht vor der Abzweigung ein Formsignal nach MÁV-Standard und aus Richtung der Haltestelle „Barátság“ steht ein Formsignal der Firma Roessemann-Kühnemann. Dieses stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert und war jahrzehntelang in der Zuckerfabrik Siegendorf aufgestellt. Ein ebenso altes Signal steht noch vor der Haltestelle „Barátság”.

Die in den Jahren 1970-72 durch die Raaberbahn erbaute Museumseisenbahn steht seit 1973 im Eigentum des ungarischen Verkehrsmuseums, unter der Betriebsführung der Raaberbahn AG.